Russland-Links, klandestine Edition

Die Russland-Links diesmal u.a. mit Kreml-SMS-Leak und Tabubrüchen, die dem Land gut tun.

  • Der kaukasischen Spur auf der Spur: Uljana Skoibeda fuhr für die „Komsomolskaja Prawda“ nach Tschetschenien, um mit den Familien der Tatverdächtigen im Mord an Boris Nemzow (und anderen aus der Region) zu sprechen.
  • Tabu 3: Diese Reportage ist nicht nur toll geschrieben, sie geht echt an die Nieren. So richtig. Andrej Kozenko hat für Meduza das erste privat geführte Waisenhaus für schwerbehinderte Kinder besucht, und Kevin Rothrock hat den Text ins Englische übersetzt.
  • Großartig, dass es diese Einrichtung gibt – und umso schlimmer, wie Russland sonst mit diesen Kindern umgeht: Ärzte raten den Eltern meist schon nach der Geburt, die Kinder wegzugeben. Dann landen sie in Kinderheimen, in denen es ihnen sogar noch schlimmer ergeht als normalen russischen Waisenkindern – und ihr restliches Dasein fristen sie meist in der geschlossenen Psychiatrie. Unbedingt lesen.
  • Bereicherung I: Niemand soll wissen, wie reich die Bosse der russischen Staatskonzerne sind. Das meldet Interfax. Demnach hat die russische Regierung beschlossen, dass die Staatskonzernchefs, die noch andere Einkünfte haben, diese nicht offenlegen müssen. Man beachte besonders das Stock-Foto, das Interfax als Illustration wählt.
  • Bereicherung II: Der Sohn des ehemaligen FSB-Chefs Patruschew, Andrej Patruschew, bekommt einen neuen Job bei Gasprom-Neft, meldet ebenfalls Interfax. Und zwar wird er „stellvertretender Generaldirektor für den Ausbau von Schelf-Projekten“ (Hier mehr Infos darüber, was ein Schelf ist. ) Andrej Patruschew hat übrigens bereits einen Orden von Putin im Schrank (oder wo man Putin-Orden sonst so aufbewahrt – in einem mit patriotischen Farben beleuchteten Schrein in einem für diesen Zweck reservierten Zimmer?) – und zwar für die „erreichten beruflichen Erfolge und langjährigen Dienste“. Patruschew der Jüngere ist  Jahrgang 1981.
  • Neues I: Neues vom Panzerfahrer, der mit der „Nowaja Gazeta“ sprach. Hier die Geschichte, falls sich jemand nicht (mehr) an die Story erinnert (auf Englisch; Bilder schlagen auf den Magen). Seine Mutter hat sich jetzt an die Zeitung „Nowaja Burjatija“ („Neues Burjatien“) gewandt – und behauptet, ihr Sohn liege erstens in Burjatien im Krankenhaus, und zweitens habe er nie mit der Presse gesprochen, das ganze Interview in der „Nowaja“ sei ausgedacht. (Hm. Möglicherweise möchte die Frau einfach ihre Ruhe und hofft darauf, doch noch Geld für ihren schwerverletzten Sohn vom Staat zu bekommen? Von dem Staat, der ihn womöglich zum Kämpfen in die Ukraine geschickt hat.)
  • Update dazu: „Nowaja Burjatija“ macht einen auf Rolling Stone und nimmt den Beitrag offline.
  • Neues II: Neues von der russischen Hackergruppe „Shaltai Boltai“ (auch bekannt als „Anonomny International“, was das gleiche bedeutet wie das englische „Anonymous International“, ist aber nicht dieselbe Gruppierung). Diesmal 40.000 SMS, angeblich vom Handy von Timur Prokopenko, der für Putins Präsidialadministration arbeitet. – „Meduza“ hat sich dankenswerterweise da durchgearbeitet (russ.): https://meduza.io/feature/2015/03/31/kto-sleduyuschiy
  • Mein Eindruck: Viel Interessantes dabei, zum Beispiel über Marine Le Pen, Dugin, die geschasste Lenta.ru- und jetzt Meduza-Chefin Galina Timtschenko, die Überwachung der Opposition und, und, und. Aber es sind halt 40.000 SMS, deswegen habe ich vermutlich in deutschen Medien noch keine gute Story dazu gefunden. (Arbeite mich selbst noch durch.)
  • Update: Zweite Leak-Welle am Montag (06.04), SMS und Chats von Timur Prokopenko.
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